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Bitte beachten: Bei dem Folgenden handelt es sich nicht um eine weitere Petition oder ein weiteres Manifest, mit denen die Notwendigkeit von Open Access nur unterstrichen werden soll. Derartige Unterstützungsinitiativen existieren bereits. Der Zweck dieses Dokuments ist es, Open Access als Praxis zu etablieren.

Universitäten und Forschungseinrichtungen, die sich selbst öffentlich zu einer systematischen und dauerhaften Umsetzung von Open Access-Strategien für ihren Forschungsoutput verpflichten wollen sind eingeladen, das folgende Dokument zu unterzeichnen.

Ihre Unterschrift wird Ihre Selbstverpflichtung auf Open Access für Ihren Forschungsoutput dokumentieren; sie wird dazu beitragen, dass Stand und Fortschritt der Umsetzung von Open Access für die Wissenschaftsgemeinschaft nachvollziehbar werden, und sie wird andere Einrichtungen ermutigen, ihrerseits Open Access-Strategien in den eigenen Institutionen umzusetzen.


Erklärung über die institutionelle Selbstverpflichtung

für die Umsetzung
der Budapest Open Access Initiative

http://www.soros.org/openaccess/read.shtml
der Berlin Declaration
on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities
http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/berlindeclaration.html
und der
WSIS Declaration of Principles and Plan of Action
http://www.itu.int/wsis/documents/doc_multi-en-1161|1160.asp
http://icsudqbo.alias.domicile.fr/Library/WSIS/brochures/english/anglais1.pdf




(1) Die Forscher und Forscherinnen unserer Einrichtung werden bezahlt (bzw. ihre Forschungsprojekte werden – zumeist mit öffentlichen Mitteln – gefördert) für die Durchführung wissenschaftlicher Forschungsarbeiten und für die Publikation von deren Ergebnissen ("publish or perish"). Forschende anderer Universitäten und Forschungseinrichtungen in aller Welt können dann in ihren Arbeiten auf die publizierten Forschungsergebnisse zugreifen, sie nutzen, an sie anschließen bzw. sie zitieren. Dies wird üblicherweise als Impact bezeichnet. Von diesem Impact hängen die Produktivität, der Fortschritt und der Nutzen von Forschung ab.

(2) Ergebnisse von Forschung werden in referierten Zeitschriften veröffentlicht (derzeit sind dies weltweit ca. 24,000 – mit ungefähr 2.500.000 Artikeln pro Jahr in allen Sprachen und über alle Disziplinen hinweg).

(3) Anders als Buchautoren oder Journalisten erhalten Autorinnen und Autoren von Beiträgen, die in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, keine Tantiemen oder Vergütungen: Sie schreiben und veröffentlichen mit dem Ziel, ihren Impact zu vergrößern. Aus diesem Grund nahmen die Autoren und ihre Forschungseinrichtungen in der "Papier-Ära" den Aufwand und die Kosten auf sich, interessierten bzw. nachfragenden Kolleginnen und Kollegen Nachdrucke zuzuschicken; teilweise mussten zusätzliche Gebühren für die Publikation von Artikeln an Zeitschriften entrichtet werden. Denn mehr Impact bedeutet (i) verbesserte Karriereaussichten, höheres Gehalt, größere Chancen für künftige Forschungsvorhaben, sowie Auszeichnungen und Prestige für Forschende und ihre Einrichtungen. Es bedeutet aber – noch wesentlicher – (ii) eine höhere Produktivität und einen schnelleren Fortschritt von Forschung, und auf diesem Weg einen größeren Nutzen für Steuerzahler, die die Forschung finanzieren.

(4) In der Papier-Ära war die kostenpflichtige Subskription von Zeitschriften die einzige Möglichkeit, um die Kosten für das Peer Review und für die Publikation zu decken: Universitäten und Forschungseinrichtungen zahlten diese Subskriptionskosten, damit sie die begutachteten Artikel anderer lesen und für die eigene Arbeit nutzen konnten.

(5) Allerdings wird kaum eine Einrichtung in der Lage sein, sich den Zugang für auch nur annähernd alle der derzeit ca. 24.000 kostenpflichtigen Journals zu erkaufen; die weitaus meisten werden lediglich einen schmalen Ausschnitt finanzieren können, ein Ausschnitt, der auch in der "Internet-Ära" angesichts steigender Zeitschriftenpreise weiter schrumpft.

(6) Dies bedeutet aber für jeden der ca. 2.500.000 Zeitschriftenbeiträge, die jährlich publiziert werden – und dies galt für die "Papier-Ära" und es gilt auch heute für die "Internet-Ära" –, dass nicht alle potenziellen Nutzer und Nutzerinnen Zugang zu ihm haben. Damit geht ein großer Teil des potenziellen Impact für jeden Artikel verloren.

(7) In der "Papier-Ära" war dies unvermeidbar, anders in der "Internet-Ära". Hier gibt es zwei komplementäre Wege, mit denen Zugangsbarrieren – und diese bedeuten einen wesentlichen Verlust an Impact – überwunden werden können:

(8) (OAJ) "Open Access"-Zeitschriften können ihre Kosten auf anderem Weg decken als kostenpflichtige Zeitschriften, die alle Nutzer(-Einrichtungen) für Zugriffe auf Zeitschriften/Artikel belasten. (Sie können z.B. von einzelnen Autoren bzw. deren Einrichtungen Gebühren für die Publikation eines Beitrags erheben. Allerdings existieren bisher weniger als 1000 referierte Open Access-Zeitschriften, in denen nur ungefähr 5% der jährlich 2.5 Mio. Artikel veröffentlicht werden.)

(9) (OAA) Für die verbleibenden 95% – d.h. für die Artikel, die jährlich in den 23.000 kostenpflichtigen Zeitschriften erscheinen – ist der direkte Weg, um den Zugangsrestriktionen und dem damit verbundenen Verlust an Impact zu entgehen, die Selbst-Archivierung der Texte über die eigenen institutionellen Open Access-Webseiten für alle potenziellen Nutzer und Nutzerinnen weltweit.

(10) Die Open Access-Ära wird beginnen, sobald Universitäten, Forschungseinrichtungen und Förderinstitutionen ihre "publish or perish"-Politiken ausweiten, d.h über die Auflage, Forschungsergebnisse zu publizieren hinaus auch den freien Zugang zu diesen Forschungsergebnissen einfordern und sicherstellen – durch OAJ, also durch die Veröffentlichung in geeigneten Open Access-Zeitschriften, sofern diese existieren, und durch OAA, d.h. durch die Selbst-Archivierung all ihrer in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichten Publikationen. Erst auf diesem Weg wird der Fortschritt von Wissenschaft und wird die Forschungsproduktivität maximiert statt unnötigerweise beschnitten, wie es derzeit der Fall ist.


                        VERBINDLICHE VEREINBARUNG ZUR INSTITUTIONELLEN UMSETZUNG VON OPEN ACCESS:

        (OAJ) Forscher und Forscherinnen veröffentlichen ihre Arbeiten in Open Access-Zeitschriften, wenn geeignete Zeitschriften existieren,

andernfalls

        (OAA) veröffentlichen Forscher und Forscherinnen ihre Arbeiten in geeigneten kostenpflichtigen Zeitschriften, und sie archivieren sie zugleich in dem Open Access-Archiv der eigenen Universität oder Forschungseinrichtung.



Unsere Einrichtung verpflichtet sich hiermit zur Übernahme und Umsetzung einer institutionellen Praxis (siehe z.B. http://software.eprints.org/handbook/departments.php) , die den freien Zugang zu der gesamten hier veröffentlichten, referierten Zeitschriftenliteratur sicherstellt – d.h. den kostenlosen Online-Zugang zu Volltexten für alle potenziellen Nutzerinnen und Nutzer weltweit – übereinstimmend mit der Budapest Open Access Initiative http://www.soros.org/openaccess/view.cfm und der Berlin Declaration http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/signatories.html.



Zusätzliche institutionelle Aktivitäten, um Open Access zu unterstützen.
Deutsche Version: Katja Mruck